Einführung in die Versuchsplanung (Vorüberlegungen)
Die wichtigste Aufgabe der Wissenschaft ist es...
originelle und fruchtbare Gedanken zu entwerfen und Theorien zu entwickeln,
die sich nachzuprüfen lohnen. Leider kennen wir zum Erreichen dieser
Ziele keine zwingenden Prinzipien oder Techniken und dies mag der Grund
dafür sein, daß der Student im Laufe seines Studiums kein Seminar
zum Thema: Einführung in das produktive wissenschaftliche Denken
belegen
muß. Die Entwicklung produktiver Gedanken wird vielmehr der Phantasie
des Forschers überlassen und dieser kann sich zur Unterstützung
seiner Phantasie, wenn überhaupt, dann lediglich auf einige weiche
Heuristiken aus der Problemlöseforschung stützen.
Versuchsplanung ist das Zweitwichtigste in einer empirischen
Wissenschaft
Versuchsplanung setzt sich zusammen aus den Worten Versuch und
Planung
und
befaßt sich im wesentlichen mit der Frage
Wie müssen Versuche geplant sein, damit das Ergebnis des Versuchs
aussagekräftig und interpretierbar ist ?
Versuchsplanung liegt zwischen Theorie und statistischer Auswertung.
Sie versucht den Weg von allgemein theoretischen Vorstellungen bis zur
statistischen Auswertung näher zu analysieren und kann so als Bindeglied
zwischen Theorie und Empirie betrachtet werden. Liegt dem Forschungsvorgehen
keine vernünftige Idee zugrunde, dann kann der beste Versuch nichts
bewirken. Ist ein Versuch schlecht geplant worden, dann hilft die beste
Statistik nichts mehr. Versuchsplanung ist daher deutlich wichtiger als
Statistik, da sie ihr vorgeordnet ist. Um vernünftige Versuche durchführen
zu können, muß man allerdings sowohl etwas von Theorie, wie
auch etwas von Erhebungsverfahren bzw. der Auswertung von Daten verstehen,
um beides miteinander verknüpfen zu können.
Ziel dieses Tutoriums ist es ..
Studenten in die Lage zu versetzen, Forschungsarbeiten im Hinblick
auf ihre versuchplantechnische Angemessenheit bewerten und selbst konstruktive
Vorschläge für effizientes empirisches Arbeiten entwickeln zu
können.
Zielgruppe
Das Tutorium richtet sich vornehmlich an Studenten der Sozialwissenschaften
und soll den Kern der Versuchsplanung abdecken. Insofern hat es Ähnlichkeit
mit einem kleinen Lehrbuch. Einführung in die Versuchsplanung
besteht aus einzelnen Kapiteln und geht nicht sehr weit über ein elektronisches
Buch hinaus. Die Verweise innerhalb der Kapitel sind recht spärlich
und es war auch nicht Absicht des Autors, einen ausgereiften Hypertext
zu erstellen. Der hier direkt verfügbare Text sollte für eine
Einführung ausreichen und könnte auch als Grundlage für
ein Seminar dienen. Die darüber hinaus gehenden Verweise sind nur
zusätzliche Ergänzungen.
Einige Ratschläge zur Nutzung
Der Student soll sich intensiv mit einem Kapitel auseinandersetzen
und nicht so sehr herumklicken. Anschließend soll er die Fragen beantworten.
Die gestellten Aufgaben verstehen sich als Übungs- und nicht als Testaufgaben.
Ihr Ziel ist es, den Nutzer aktiv zur Mitarbeit zu bewegen, die Diskussion
zu vertiefen und teilweise auch auf Aspekte aufmerksam zu machen, die im
Text so gar nicht vorkommen. Es kommt weniger darauf an, unbedingt die
richtigen Antworten zu wissen, sondern nach der ernsthaften Bearbeitung
der Aufgabe zu begreifen, warum die zutreffende Antwort richtig ist und
die übrigen Alternativen falsch sind.
Sehr wichtig: Es werden keinerlei Daten erhoben und somit auch
keine Daten gespeichert.
Wer als Lehrender selbst derartige Aufgaben erstellen will, sei verwiesen
auf
Übungsaufgaben
erstellen mit JavaScript
Für die Bearbeitung der Übungsaufgaben empfehle ich folgendes
Vorgehen:
-
Wenn Sie ziemlich sicher sind, die Aufgabe korrekt lösen zu können,
dann sollten Sie entsprechende Angaben machen und anschließend auf
'Aufgabe bestätigen' klicken.
Wenn Sie keinerlei Vorstellung über eine mögliche korrekte
Lösung haben, dann könnten Sie vielleicht den Versuch unternehmen,
im Text nach Anhaltspunkten zur Lösung Ausschau zu halten, bevor Sie
die Aufgabe beantworten. Wenn Sie jedoch darauf verzichten wollen, müssen
Sie die Rückmeldung ganz besonders ernsthaft bearbeiten.
-
Lesen Sie die Rückmeldung zur Aufgabe sorgfältig durch und bemühen
Sie sich um ein Verständnis. Schließen Sie anschließend
das Rückmeldefenster.
-
Klicken Sie abschließend auf 'Korrekte Lösung'. Dadurch werden
automatisch die richtigen Antworten markiert. Lesen Sie erneut die Aufgabe
durch und versuchen Sie mit eigenen Worten die Aufgabe zu besprechen.
Es schadet nichts, wenn man manche Aufgaben mehrmals durchgeht.
Wünschenswerte Lernvoraussetzungen..
sind einige Kenntnisse in Statistik, Testtheorie und Diagnostik. Hier
wird zwar so gut wie überhaupt nicht gerechnet oder mit Formeln hantiert,
aber ein gewisses Verständnis des methodischen Basiswissen muß
gegeben sein, um allen Beiträgen folgen zu können.
Selbstkritik
Zum Thema Versuchsplanung gibt es bereits gute Lernmaterialien in der
Printfassung, (mit Torchims Research
Methods Knowledge Base sogar im WWW) und so sonderlich wichtig
erscheint es nicht, nun noch weitere Materialien hinzuzufügen. Vorliegende
Einführung
in die Versuchsplanung orientiert sich am ehesten an der Studieneinheit
Versuchsplanung (Vers) des FIM-Psychologie-Modellversuchs.
Ich habe mich zunächst einmal auf den Inhalt des Textes konzentriert
und bis auf die Aufgaben viele instruktionstechnologische Probleme hinten
angestellt. Allein schon die vernünftige Sequenzierung der Kapitel
bereitet mir gewisse Schwierigkeiten. Der Anfänger wird in manchem
Kapitel beim ersten Lesen nicht alles verstehen können, weil die Kapitel
meist thematisch und nicht durchgängig im pädagogischen Sinne
so aufgebaut sind, daß zunächst alle notwendigen Lernziele behandelt
werden, welche das Erreichen nachfolgender Lernziele fördern. (siehe:
Eine etwas bessere Reihenfolge für Novizen)
Auch von der Navigation könnte man noch erhebliche Verbesserungen
vornehmen. Manche nützlichen pädagogischen Hilfen, etwa Glossar
oder ein Volltextsuchprogramm fehlen. Es sind immer noch zu wenige instruktive
Graphiken (z.B. Concept-Maps) vorhanden und statt hypothetischer Beispiele
müßten mehr tatsächliche Beispiele gewählt werden.
Die Konsistenz der einzelnen Kapitel läßt zu wünschen übrig.
Etwas mehr medialer Pepp wäre auch angebracht.
Am gravierendsten finde ich jedoch den Umstand, daß die Kapitel
nicht im Hinblick auf inhaltliche Richtigkeit Korrektur gelesen wurden.
An dieser Stelle möchte ich mich bei den TeilnehmerInnen des Seminars
"Einführung in die Versuchsplanung WS 99/00" bedanken für ihre
wertvollen Anregungen zur Korrektur der Aufgaben sowie für Hinweise
auf Verstösse gegen die deutsche Sprache.
Da ich aber sowieso Abstriche machen mußte, hoffe ich, hier zunächst
die richtigen Prioritäten gesetzt zu haben.
Die wichtigste Bedingung zum Lernen ist - eine gewisse Begabung vorausgesetzt
- die Bereitschaft, etwas lernen zu wollen und die Ausdauer, sich hinreichend
zu bemühen, bis man etwas wirklich verstanden hat. Wer diese Grundhaltung
mit bringt, kann das Tutorium im Selbststudium absolvieren und braucht
gar nicht an einem Seminar teilzunehmen.
Es wurde großer Wert darauf gelegt, dem Studenten alle notwendigen
Informationen offline zu ermöglichen und ihn weder durch Passwörter
noch Telefongebühren vom Lernen abzuschrecken.
created 22.2.1998; last update 10.3.2000; Bernhard Jacobs,
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